

Bauherr:
Ort:
Jahr:
Neue Heimat Tirol - Gemeinnützige WohnungsGmbH
Kufstein
2019 – 2026
Wettbewerb 1. Preis - fertiggestellt
Der Weg in den zweiten Weltkrieg wurde für Adolf Hitler erst durch das "Hitler-Mussolini-Abkommen" 1939 möglich, in dem er Italiens Rechte auf Südtirol akzeptierte, und eine "Lösung" für die Südtiroler Bevölkerung fand, die seinen völkischen Vorstellungen entsprach. So mussten sich die Bewohner Südtirols in der sogenannten "Option" entscheiden, ob sie in ihrer Heimat bleiben und die italienische Sprache und Kultur übernehmen wollten, oder ob sie bereit waren, in das "Deutsche Reich" umzusiedeln. Für diese Aussiedler, die „Optanten“, wurden in Westösterreich und Süddeutschland Siedlungen errichtet. Ihr Bau hatte einen hohen politischen Stellenwert, sie wurden oft an Gunstlagen errichtet und sie entsprachen trotz ihrer Entstehung in Kriegszeiten 1939 - 1943 einem durchaus hohen Standard des sozialen Wohnbaus. Für ihre Errichtung waren Heimstättenämter zuständig, in denen zum Teil fähige Architekten arbeiteten. Der in Nordtirol federführende Architekt Helmut Erdle wurde nach dem Krieg ein sehr angesehener Architekt in Stuttgart. Seine Meinungsverschiedenheiten mit den Fanatikern der "Blut- und Boden Fraktion" schaukelten sich so weit auf, daß er 1944 an die Front geschickt wurde und den Krieg nur knapp überlebte.
Den heutigen Anforderungen an Wohnqualität, Energieeffizienz und Flächennutzung werden die Südtirolersiedlungen nicht mehr gerecht. Sie weisen im Regelfall eine sehr geringe Dichte auf, weil man es den Bewohnern als Absicherung für Krisenzeiten ermöglichen wollte, in den Grünzonen Gemüsegärten anzulegen. Wegen ihrer geringen Bebauungsdichte werden die meisten Siedlungen heute nachverdichtet oder vollständig neu entwickelt.
Die Südtirolersiedlung in Kufstein ist eine der größten in Tirol und bildet mit einer Fläche von 6 Hektar etwa die Hälfte des Ortsteils Sparchen. Nach der Neuerrichtung der Gebäude soll sie 2.000 Menschen eine neue Heimat bieten. Wir wollten in unserem Wettbewerbsbeitrag nicht nur die Siedlung selbst erneuern, sondern den ganzen Stadtteil Sparchen mit einem neuen Zentrum aufwerten. Die neuen öffentlichen Gebäude (Bäckerei, Café, ein kleiner Supermarkt, Quartierstreff etc...) bilden mit den bereits vorhandenen Schulbauten einen sozialen Kern. Die Siedlung selbst wird autofrei, als Binnenerschließung dient eine zentrale, fussläufige Achse. Die L-förmigen Baukörper verbinden sich mit den wenigen Bestandsgebäuden zu einer neuen, homogenen Struktur aus halbprivaten Höfen. Eine Tiefgarage verbindet die Gebäude unterirdisch.
Wir konnten einen ersten Bauabschnitt mit ca. 100 Wohnungen realisieren, ein zweiter um den zentralen Platz soll noch folgen. Unser Masterplan bildet die Basis für weiterführende Planungen durch andere Architekturbüros.
Bei den Gebäuden selbst war uns neben der ökologischen Grundkonzeption die Ausformulierung der Balkonzone sehr wichtig. Diese "Balkonscheibe" zeigt sich als belebter, freundlicher und begrünter Bauteil mit einem hohen Maß an Wohnlichkeit und Privatheit.










Bauherr:
Ort:
Jahr:
Neue Heimat Tirol - Gemeinnützige WohnungsGmbH
Kufstein
2019 – 2026
Wettbewerb 1. Preis - fertiggestellt









Der Weg in den zweiten Weltkrieg wurde für Adolf Hitler erst durch das "Hitler-Mussolini-Abkommen" 1939 möglich, in dem er Italiens Rechte auf Südtirol akzeptierte, und eine "Lösung" für die Südtiroler Bevölkerung fand, die seinen völkischen Vorstellungen entsprach. So mussten sich die Bewohner Südtirols in der sogenannten "Option" entscheiden, ob sie in ihrer Heimat bleiben und die italienische Sprache und Kultur übernehmen wollten, oder ob sie bereit waren, in das "Deutsche Reich" umzusiedeln. Für diese Aussiedler, die „Optanten“, wurden in Westösterreich und Süddeutschland Siedlungen errichtet. Ihr Bau hatte einen hohen politischen Stellenwert, sie wurden oft an Gunstlagen errichtet und sie entsprachen trotz ihrer Entstehung in Kriegszeiten 1939 - 1943 einem durchaus hohen Standard des sozialen Wohnbaus. Für ihre Errichtung waren Heimstättenämter zuständig, in denen zum Teil fähige Architekten arbeiteten. Der in Nordtirol federführende Architekt Helmut Erdle wurde nach dem Krieg ein sehr angesehener Architekt in Stuttgart. Seine Meinungsverschiedenheiten mit den Fanatikern der "Blut- und Boden Fraktion" schaukelten sich so weit auf, daß er 1944 an die Front geschickt wurde und den Krieg nur knapp überlebte.
Den heutigen Anforderungen an Wohnqualität, Energieeffizienz und Flächennutzung werden die Südtirolersiedlungen nicht mehr gerecht. Sie weisen im Regelfall eine sehr geringe Dichte auf, weil man es den Bewohnern als Absicherung für Krisenzeiten ermöglichen wollte, in den Grünzonen Gemüsegärten anzulegen. Wegen ihrer geringen Bebauungsdichte werden die meisten Siedlungen heute nachverdichtet oder vollständig neu entwickelt.
Die Südtirolersiedlung in Kufstein ist eine der größten in Tirol und bildet mit einer Fläche von 6 Hektar etwa die Hälfte des Ortsteils Sparchen. Nach der Neuerrichtung der Gebäude soll sie 2.000 Menschen eine neue Heimat bieten. Wir wollten in unserem Wettbewerbsbeitrag nicht nur die Siedlung selbst erneuern, sondern den ganzen Stadtteil Sparchen mit einem neuen Zentrum aufwerten. Die neuen öffentlichen Gebäude (Bäckerei, Café, ein kleiner Supermarkt, Quartierstreff etc...) bilden mit den bereits vorhandenen Schulbauten einen sozialen Kern. Die Siedlung selbst wird autofrei, als Binnenerschließung dient eine zentrale, fussläufige Achse. Die L-förmigen Baukörper verbinden sich mit den wenigen Bestandsgebäuden zu einer neuen, homogenen Struktur aus halbprivaten Höfen. Eine Tiefgarage verbindet die Gebäude unterirdisch.
Wir konnten einen ersten Bauabschnitt mit ca. 100 Wohnungen realisieren, ein zweiter um den zentralen Platz soll noch folgen. Unser Masterplan bildet die Basis für weiterführende Planungen durch andere Architekturbüros.
Bei den Gebäuden selbst war uns neben der ökologischen Grundkonzeption die Ausformulierung der Balkonzone sehr wichtig. Diese "Balkonscheibe" zeigt sich als belebter, freundlicher und begrünter Bauteil mit einem hohen Maß an Wohnlichkeit und Privatheit.