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Gemeindekulturzentrum Ischgl

bauherr / Gemeinde Ischgl
location / Ischgl
typ / kulturzentrum
status / 1. Platz Wettbewerb 2011, Fertigstellung 2013
team / Michael Fuchs, Barbara Poberschnigg, Thomas Feuerstein, Elias Walch
sonstiges / Kulturzentrum Akustik Musikproberaum Staatspreis Bauherrenpreis

Gemeindekulturzentrum St.Nikolaus, Ischgl # Ischgl ist eine der wichtigsten Tourismusdestinationen in Österreich, der Ort mit 1.600 Einwohner verfügt über 11.000 Gästebetten. In der Saison, die fast ein halbes Jahr dauert, wird das Ortsbild von Schifahrern in Partylaune dominiert. Dennoch ist Ischgl im sozialen Sinne ein Paznauner Dorf mit 40 Vereinen, die – vielleicht als Reaktion auf den übermächtigen Tourismus – sehr aktiv sind. Die Blasmusik mit 100 aktiven Mitgliedern ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl sogar die relativ größte in Tirol; die Menschen rücken zusammen und es werden Orte wichtig, die eben nicht dem Tourismus und dem Broterwerb dienen.

2011 hat sich die Gemeinde entschlossen, ein Gemeindekulturzentrum als Ort nur für die Ischgler zu errichten. Man wollte ein „identitätsstiftendes Gebäude“, das dem selbstbewussten und erfolgreichen Ischgl von heute entspricht, und trotzdem den am Bauplatz in Resten noch vorhandenen Dorfanger erahnen läßt.

Das Gebäude ist in den Hang hinein gebaut, an seinem Fuß bettet sich der Dorfplatz mit Musikpavillon; Sitzstufen leiten über zu einem Weg über das begrünte Dach. Der wichtigste Raum ist der Musikproberaum, eine Holzschachtel, von der noch eine Ecke aus dem Anger herausragt. Die Holzkonstruktion ist sichtbar, die Füllungen sind leicht aufgeklappt. Sie lassen Licht eindringen und sind ein Grund für die gute Akustik. Der Aufenthaltsbereich („Stube“) wird von den Vereinen gemeinsam genutzt; er verfügt über eine einfache gastronomische Ausstattung aber ohne dem Konsumzwang eines Gastronomiebetriebs. Das Foyer kann zum Platz hin geöffnet werden, eine witterungsgeschützte Theke kann für Veranstaltungen am Dorfplatz genutz werden.

Unter dem Bauplatz verläuft der Dorftunnel, der die Gäste fußläufig (also per Förderband …) von den Hotels zu den Schiliften bringt. Ein bereits bestehender Liftschacht war in das Projekt zu integrieren, das Zugangshäuschen zu diesem Lift sitzt jetzt wie ein Findling auf dem neu gestalteten Gelände.

Teil des Projekts war auch die Sanierung des „alten Widums“, der unterirdisch mit dem Kulturzentrum verbunden ist. Er steht unter Denkmalschutz und wurde mit einem angebauten Treppenturm behindertengerecht erschlossen. Der Widum wird für Chorproben genutzt, die Stuben dienen als Proberäume, als Bibliothek und als Arbeitsplatz für den Dorfarchivar.